Dienstag, 4. Dezember 2012

Voll das Leben

Wie ich über "Voll das Leben" von Sandra Gernt gestolpert bin, weiß ich gar nicht mehr. Es gehörte mit zu meinen ersten E-Books und ich habe den Kauf nicht bereut.

Das Buch erzählt die Geschichte von Jan, der nach dem Tod seines Freundes vor den Trümmern seines Lebens steht und nicht mehr zurechtkommt. Als er schlussendlich auf einer Brücke endet, fest entschlossen, sich das Leben zu nehmen, wird er ausgerechnet von seinem Arbeitskollegen Nick gerettet, der ihn bislang immer nur beleidigt und gedemütigt hat.

"Voll das Leben" ist eine Geschichte über den Tod, die nachfolgende Trauer und die langsam neu erblühende Liebe zwischen zwei Männern. Doch bis es soweit ist, nimmt Sandra Gernt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Verzweiflung geht, den Kampf um das eigene Leben, das eben nicht immer toll und super und schön ist. Den Verlust eines geliebten Menschen muss man erstmal verkraften, das geht nicht von heute auf morgen, nur macht die heutige Umwelt dabei leider oft nicht mit.

Das erfährt auch Jan, der erst den Job verliert, dann seine Wohnung, praktisch sein ganzes Leben. Er lässt sich völlig gehen und so sehr ich ihn verstand, weil er trauerte, so gern hätte ich ihn an den Schultern gepackt und geschüttelt, weil es so natürlich nicht geht. Aber es muss erst zum Treffen mit Nick kommen, bis Jan begreift, dass er sich selbst um seine Zukunft kümmern muss. Dass ihm das niemand aus der Hand nehmen wird und der Weg, den Jan dann wählt, ist ungewöhnlich, aber er passte dennoch perfekt, finde ich.

Sandra Gernt hat mit "Voll das Leben" eine traurige, aber zugleich auch hoffnungsvolle Geschichte geschrieben, die ohne Erotik auskommt, dafür aber umso mehr Gefühle aller Art bietet.

Fazit: Kurz, knackig, wundervoll in Worte gefasst und jederzeit zu empfehlen.

Kommentare:

  1. Oh, das habe ich auch gelesen. Ich fand es auch sehr gut geschrieben und fesselnd. Das einzige, was ich sehr traurig fand, war, dass es eben nur so kurz ist. Von mir aus hätte es länger sein können. Vor allem am Schluss ging es mir etwas zu schnell (wenn ich mich recht erinnere).

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    1. Ich habe irgendwo gelesen, dass es die Story deswegen nur als E-Book gibt, weil sie so kurz ist, was ich auch schade finde. Es geht halt nix über ein Buch in der Hand. *g*

      Es ist schon etwas her, dass ich es gelesen habe und mir ist mehr hängengeblieben, wie Jan am Anfang drauf war. Er hat sich ja so was von gehen lassen, schlimm. Vor allem auch, dass es irgendwie niemanden gekümmert hat. Die Kollegen auf Arbeit fand ich da richtig furchtbar, ehrlich gesagt.

      Das Ende müsste ich erst wieder lesen, muss ich gestehen. ;-)

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    2. Hm. Bei mir ist es auch schon lange her. Ich glaube, mir ging das am Schluss einfach zu schnell mit Nick, bzw. ich hätte das gerne noch etwas näher ausgebaut gehabt. Aber es ist nun mal eine Kurzgeschichte. *g*

      Mit den Kollegen und dem nicht kümmern hast du recht. Aber ehrlich gesagt ist das jetzt nicht so erstaunlich, oder? ich meine, das ist doch eher normal, irgendwie.

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    3. Normal ist das definitiv, aber deswegen nicht weniger erschreckend irgendwie. Heute ist wirklich jeder sich selbst der nächste und in Firmen kommen und gehen die Leute halt.

      Ich weiß nicht, ob das überall so ist, mir war es bei meinen Jobs immer wichtig, mich wenigstens mit den nahen Kollegen gut zu verstehen. Man muss ja nicht gleich Freundschaften schließen, aber dieses "Aus den Augen, aus den Sinn" ist ganz schön krass. Besonders eben bei Fällen wie Jan in der Geschichte.

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    4. Ja, da hast du natürlich recht. Und ich denke auch nicht, dass jeder so ist, ich interessiere mich ja eh immer für meine Kollegen und hab auch Studenten immer ermutigt, dass sie mit mir reden können, wenn was ist.

      Aber irgendwie ist es sicher teilweise so. Wenn jemand nicht funktioniert heißt es: Das wusste ich schon immer und man distanziert sich. Das kennen wir doch.

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    5. Im Berufsleben sowieso. Wer nicht funktioniert, wird aussortiert. Gibt ja genug andere, die den Job machen können. Eine Einstellung, die ich persönlich zum Kotzen finde. *sfz*

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  2. Ich fand es auch zu kurz, aber auch mich hat das Buch voll gepackt....

    liebe Grüße
    Petra

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    1. Ich glaube, das geht uns oft so als Leser. Wie oft sitze ich vor Büchern und denke mir, "Wie? Schon vorbei?" *g*

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