Samstag, 8. Dezember 2012

Zenjanischer Lotus

"Zenjanischer Lotus" ist eine Geschichte, an die ich mich lange nicht rangetraut habe. Ich und Fantasy, die in anderen Welten spielt? Seit Herr der Ringe habe ich damit kaum noch was am Hut, aber Raik Thorstads Buch wurde mir so oft empfohlen, dass die Neugierde am Ende einfach größer war und als dann der Incubus-Verlag seine Pforten öffnete, habe ich es mir bestellt.

In einem Satz gesagt: Es hat sich gelohnt.

Raik Thorstad hat eine Geschichte über Auftragskiller erschaffen, zu der mir anfangs nur ein Wort einfiel: gewaltig. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich in die Art des Erzählens der Geschichte reinzufinden, denn "Zenjanischer Lotus" kommt mit einer Fülle an Details und Informationen daher, die die über 500 Seiten des Buches verdammt gut ausfüllen. Für mich als Leser war das die ersten Seiten ungewohnt und auch anstrengend zu lesen. Wie gesagt, ich bin eher der Typ für moderne Sachen und sich in die faszinierende Welt des Lotus reinzufinden, dauerte seine Zeit.

Zum Inhalt lasse ich mal die Buchrückseite sprechen.

"Sothorn ist der Meisterassassine Sundas. An ihm werden alle anderen Meuchelmörder gemessen. Er gilt als unbesiegbar. Doch der Schein trügt: Der Zenjanische Lotus hat Sothorn fest in seinem Griff und zerstört ihn Stück für Stück. Innerlich und äußerlich taub geht er seinem Ende entgegen, als sich ein Schatten an seine Fersen heftet. Der geheimnisvolle Wargssolja aus dem hohen Norden legt es darauf an, Sothorn im Kampf zu besiegen. Aber seine Ziele sind ehrenwerter, als man auf den ersten Blick glauben mag."

Raik Thorstad legt mit "Zenjanischer Lotus" eine Fantasy-Welt vor, in der schwule Charaktere zum Leben dazugehören und ich wünschte, das könnte man auch in die heutige, reale Welt übertragen. Von der ersten bis zur letzten Seite kauft man den Charakteren ihre Geschichte ab, denn Raik erzählt lebendig und teils bis ins kleinste Details über die Welt von Sunda, mit all ihren Abgründen, Wünschen und Hoffnungen.

Selbst die Guten sind in diesem Buch nicht ohne Schuld und als ich mich erstmal in die Geschichte reingelesen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich habe sogar den Frevel begannen, vorzublättern und das Ende zuerst zu lesen, weil ich wissen wollte, ob ich das Glück eines Happy Ends habe. Ich werde euch hier natürlich nicht verraten, ob ich bekommen habe, was ich mir wünschte, nur soviel, dieses Buch ist klasse geschrieben und ich hoffe, dass die mögliche Fortsetzung eines Tages wirklich das Licht der Welt erblickt.

"Zenjanischer Lotus" ist eine düstere Geschichte für Erwachsene, die an Romantik spart, dafür aber verdammt direkt, ehrlich und mit jeder Menge Tiefgang ausgestattet ist. Lieblose Charaktere oder Plotlöcher sucht man hier vergebens. Das Buch ist fremd, exotisch und weit weg von den typischen Fantasy-Romanen, die im Gay-Bereich so häufig zu finden sind.

Fazit: Wer reine Erotik sucht, ist hier fehl am Platz. Wer hingegen Lust auf eine spannende Geschichte und die ein wenig ungewöhnliche Liebe zweier Männer hat, dem empfehle ich Raik Thorstads Lotus wärmstens.

Kommentare:

  1. Mist, Mist, Mist. Ich bin schon so lange am Überlegen ob ich mir das Buch kaufen soll. Mir geht es da nämlich wie dir. Aber wenn du jetzt so eine Rezension schreibst, wirkt das Buch gleich nochmal um ein Stück einladender. *sfz*

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    1. *flüster* Kauf es. Kauf es. Kauf es!! *gg*

      Ich hab's wirklich nicht bereut und das sage ich, obwohl ich mit dem Genre nur wenig am Hut habe. Das Buch ist toll. Anfangs schwer zu lesen, aber sobald ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, gint es wie von selbst. Definitiv gut ausgegebenes Geld. ;-)

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    2. Ich hab's jetzt auf meiner Liste mal gelb markiert. *g* (Das bedeutet, dass es in der engeren Auswahl ist, wenn ich das nächte mal diesem Shoppingwahn verfalle).

      Ich lese normalerweise auch nichts von dem Genre, aber gut, man muss seinen Horizont erweitern und wenn man von allen Seiten hört, dass es gut ist, muss da was dran sein. *gg+

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    3. Oh, sag' nix von Shoppingwahn, sonst kaufe ich bloß wieder neue Bücher. *hust*

      Und wer weiß, sogut wie mir Raik gefallen hat, traue ich mich beizeiten vielleicht sogar an "Das Lied von Eis und Feuer" ran. *g*

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    4. Es ist wirklich eine Katastrophe. *g* Ich hab' mir ja vorgenommen diesen Monat 1 oder 2 Bücher noch zu kaufen, aber dann ist für Dezember schluss. Mal sehen ob ich es aushalte. *g*

      Hmmm... kann mir denken, dass es jetzt sehr verlockend klingt. *g*

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    5. Das Buch ist echt absolut klasse. Ich habe es euch beiden ja schon vor einer Weile empfohlen und ich muss sagen, dass es wirklich eines meiner Lieblingsbücher ist. Es ist spannend und super geschrieben.

      Die Rezension spricht mir komplett aus dem Herzen. Du hast auch recht mit dem was du sagst, was das hereinlesen betrifft. Exakt so ging es mir auch. Die ersten Seiten habe ich mich etwas schwer getan, es ist eben doch eine andere Welt, aber danach war ich einfach gepackt.

      Corina, also ich kann es dir wirklich absolut empfehlen. Für mich eines der besten Bücher, die in dem Bereich Homoerotik geschrieben wurden.

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    6. @Corina: Ich habe gestern Abend schon ein paar meiner neuen E-Books gelesen. Die Anthologien sind da immer sehr praktisch, weil, das geht schneller als 500 Seiten. *gg*

      Aber ich werde (hoffentlich) stark sein und diesen Monat nix mehr kaufen. *hust*

      @Sue: Man wird anfangs erschlagen. *g* So ging es mir jedenfalls auf den ersten Seiten und ich wette, ich habe schon wieder die Hälfte der Details vergessen, aber das Buch ist einfach toll. Zum immer wieder lesen. :-)

      Was ich auch richtig schön finde, ist der Fokus auf der Geschichte selbst und nicht auf Sex. Ich habe zwar nichts gegen Erotik, aber es gibt einfach zu viele Bücher, die "nur" darauf auf sind und darunter leidet die Story dann spürbar, finde ich.

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  2. Ui. Wow.
    Ja. Danke schön. Und ja, für tödliche Detailladungen bin ich berühmt. *hust*

    Danke Matty. Echt. *freu*

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    1. Das habe ich bei "Leben im Käfig" auch schon gemerkt. *lach*

      Aber es macht definitiv Spaß, wenn man sich erstmal im Lotus eingelesen hat. Ein wirklich tolles Buch. :-)

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    2. Ich glaube, das ist wirklich so ein ewiger Knackpunkt. Ich selbst lese Bücher mit vielen Details ... und schreibe entsprechend auch so. Es gibt aber auch Leute, die das gar nicht leiden können oder sich überfrachtet fühlen. Wobei ich LiK heute schon noch mal umschreiben würde ... wer weiß, vielleicht bekomme ich die Gelegenheit noch mal. =)

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    3. Mir wurde letztens erst gesagt, dass eine meiner Geschichten zu lang wäre und zuviel Gefühlsduselei hatte. Zur Info: Sie ist 97 Buchseiten lang. *hust*

      Da sieht man, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind und wenn ich dran denke, wie ich den Lotus angefangen habe, dachte ich mir nach der ersten Szene: "Hä? Und wozu das jetzt? Das hätte sie sich sparen können."

      Im Nachhinein wurde mir klar, eben nicht, denn wenn du die Geschichte der geöteten Familie nicht erzählt hättest, wäre der Einstieg irgendwie unvollständig gewesen. Die Szene ist wichtig, um einen ersten Blick auf Sothorns Gefühlsleben zu werfen, für mich jedenfalls. Klingt das wirr? Ich hoffe nicht. *schief grinst*

      Kurzum, bei dir hat es einfach gepasst. Ich habe aber auch schon Bücher gelesen, wo mir das Drumherum einfach zuviel wurde und ich sie am Ende weggelegt habe.

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    4. Das Buch ist schon klasse, so wie es ist. Wie schon gesagt, für mich eines der besten Bücher, die in dem Bereich geschrieben wurden und ich hab es schon einigen, wie auch Matty, ans Herz gelegt.

      Es ist nur etwas schwer reinzukommen, aber das geht mir oft so, wenn man eine neue Welt betritt. Man muss sich erst zurechtfinden. Ich weiß nicht, warum es mir bei dieser Geschichte etwas schwerer gefallen ist, wie bei deinen anderen, aber das ist auch egal. Denn ab dem zweiten Kapitel war ich dir und deinen Charakteren ja vollkommen verfallen. Und es macht dich eben aus, dass alles so durchwoben und vielseitig ist. Es macht alles Sinn. Das liebe ich eben an deinen Geschichten.

      Ich mag deinen Schreibstil. Eben auch genau dieses genaue und Detailtreue. Das ist auch gerade in so einer "neuen" Welt besonders wichtig, weil man sich so eben alles gut vorstellen kann. Und langatmig ist sie sicher nicht, im Gegenteil. Ich wünsche mir, sie hätte noch 500 Seiten mehr.

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  3. Die erste Szene hatte den Sinn, einmal die Assassinen zu zeigen, als das was wie sind: Killer. Der Leser sollte nicht von Anfang an mit dem Gefühl an die Sache herangehen, dass Sothorn eine arme Sau ist. Natürlich ist er das. Aber ich wollte verhindern, dass der eigentliche "Job" in Vergessenheit gerät. Ich wollte die Diskrepanz zwischen den Auftragsmördern, die als das ultimative Böse wahrgenommen werden, und den Männern, die am Ende nur Waffen sind, drinhaben.
    Und ich wollte natürlich an einem sehr düsteren Punkt anfangen, damit es von da an aufwärts gehen kann. So schlimm wie das Morden der Kinder ist am Ende nichts mehr im ganzen Buch, glaube ich.

    (Bla, frage nie einen Autoren nach seinen Ansichten. *stöhn* *lach*)

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    1. Nix bla, ich find's toll. *lach* Erinnert mich an mich selbst, wenn ich über meine Storys ins Sabbeln komme. ;-)

      Und außerdem nicke ich hier gerade, denn du hast es viel besser in Worte gefasst, als ich gestern. Dir ist definitiv gelungen das auszusagen, was du mit der Szene aussagen wolltest.

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