Freitag, 26. August 2016

Vier Tage im November - Review

Vier Tage im November: Mein Kampfeinsatz in AfghanistanVier Tage im November: Mein Kampfeinsatz in Afghanistan by Johannes Clair
My rating: 5 of 5 stars

Ich habe mir dieses Buch als Recherchematerial für einen Roman gekauft, an dem ich gerade schreibe. Und ich tat es, ohne vorher einen Blick hineingeworfen zu haben. Alles, was ich über das Buch wusste, stammte von einer Empfehlung auf einer Veteranenwebseite, die es vorschlug. Für alle, die sich mit dem Thema »Wie Kriege Soldaten verändern« auseinandersetzen wollen.

Das wollte ich und ich habe mehr bekommen, als ich erwartet/erhofft hatte. Johannes Clair, Joe, erzählt völlig ruhm- und schmucklos von seinem Einsatz in Afghanistan. Er stellt Kameraden vor, das Land, die Leute, die Stützpunkte, die Lebensbedingungen und und und … Joe lässt auch unappetitliche Dinge nicht aus, ich sage nur umgekippte Dixie-Klos. Vor allem aber gibt er Einblick in seine Gedanken und sein Leben, und erweckte auf mich anfangs den Eindruck eines Mannes Mitte 20, der voller Hoffnung und Aufregung loszieht, um »etwas zu verändern« und »zu bewirken«, um es mal so auszudrücken. Es kam mir zuerst vor, als wäre er wirklich scharf darauf in den Krieg zu ziehen und ich saß beim Lesen teilweise kopfschüttelnd da und fragte mich, will er wirklich Menschen töten oder geht er einfach nur völlig naiv an die Sache ran?

Nicht davon ist der Fall, denn ich glaube, dass Joe wirklich Hoffnung hatte. Dass er daran glaubte, mit seinem Einsatz etwas verändern zu können. Dinge für die Menschen verbessern zu können. Das kann man durchaus naiv nennen, ich sehe es eher mit einem traurigen Lächeln, weil im Laufe der Geschichte immer deutlicher wird, wie sehr diese Hoffnung in ihm schwindet. Ist Joe anfangs fast jedes Mal einer der ersten, der die Hand hebt, eben einer, der freiwillig Patrouillen anführt, hebt er später nicht mal mehr den Kopf, wenn es darum geht, wer heute die Truppe anführt.

Joe verändert sich unübersehbar und als schließlich das passiert, was jeder fürchtet, der Freunde, Verwandte oder Partner in Kriegseinsätzen hat, nämlich, dass sie einen der ihren durch einen Anschlag verlieren, habe ich beim Lesen das erste Mal geweint.

Es ist kein einfaches, sondern ein ziemlich bedrückendes Buch über den Alltag einer Spezialeinheit in Afghanistan. Dabei ist es weder brutal noch blutig. Das muss es auch nicht sein, um mit jeder neuen Seite mehr zu leiden. Am Ende habe ich mir nur noch gewünscht, dass die Gruppe um Joe und Muli und Nossi es gesund nach Hause schaffen. Nun ja, so gesund wie man nach so einem Einsatz noch sein kann, denn dass Krieg die Menschen seelisch verändert, weiß mittlerweile jeder.

Von mir gibt es volle 5* Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Allerdings wären vielleicht Taschentücher in der Nähe angebracht.


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