Montag, 16. Januar 2017

Vater Unser

Vater UnserVater Unser by Jilliane Hoffman
My rating: 5 of 5 stars

Darf man einen offenbar schizophreniekranken Arzt, der des 4-fachen Mordes an seiner eigenen Familie angeklagt ist, zum Tode verurteilen?

Der Frage muss sich Anwältin Julia in "Vater Unser" stellen, und das ist nicht das Einzige, dem sie sich im Laufe der Geschichte stellen muss, denn sowohl der Anklagte als auch sie selbst haben Geheimnisse, die ihrer beider Leben bald so richtig durcheinander wirbeln werden. Und als wäre das nicht schon genug Chaos in Julias Leben, das im Grunde nur zwischen Arbeit, Gerichtsprozessen und der kleinen Fickaffäre mit dem Oberstaatsanwält besteht, drängelt sich dann auch noch der ermittelnde Detective in dem Mordfall langsam, aber stetig in ihre Gedanken.

Und mehr sage ich jetzt nicht, denn das Buch ist viel zu dick, um den ganzen Inhalt in kurzen Worten wiederzugeben. Vor allem, da mit jedem weiteren Kapitel neue Ent- und weitere Verwicklungen auftauchen, die Julias ohnehin schon kompliziertes Leben noch verworrener machen.

Ein sehr gutes Buch, das sich mit einer Krankheit befasst, die immer noch viel zu sehr in Schubladen gesteckt wird, weil man sie nur schwer versteht und noch weniger verständlich erklären kann. Wie soll man auch Mitgefühl mit jemandem empfinden, der seine eigene Frau und seine drei Kinder abschlachtet, weil sie angeblich vom Teufel besessen sind? Anderererseits, wie kann man diesen Mann mit gutem Gewissen in die Todeszelle schicken, wo doch ziemlich offensichtlich zu sein scheint, dass er nicht alle Latten am Zaun hat, um es mal so salopp zu bezeichnen.

Doch ist David Marquette wirklich unschuldig bzw. unzurechnungsfähig? Oder simuliert er das Ganze nur, um der Todesstrafe zu entgehen?

Ich gestehe, ich weiß es selbst jetzt nicht. Man kann den Leuten nicht in den Kopf gucken und das Buch ist so geschrieben, dass diese Frage nicht wirklich abschließend geklärt wird. Wie so oft bei Fällen von Schizophrenie.

Auf jeden Fall vergebe ich volle Punktzahl und eine dicke Leseempfehlung für das Buch.

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