Sonntag, 9. April 2017

Der steinerne Garten

Der steinerne Garten: Band 1Der steinerne Garten: Band 1 by Jayden V. Reeves
My rating: 1 of 5 stars

Was für ein dicker Wälzer, war mein erster Gedanke, als mir der Postbote das Buch in die Hand drückte, und ich war sehr gespannt auf die Geschichte von Riley und Nathan, da die Inhaltsangabe nicht sonderlich viel hergibt bzw. viel Raum für Spekulationen lässt.

Nur leider ist sie nichts für mich. Oder anders ausgedrückt, sie wurde mir einfach zu viel. Die Geschichte beginnt mit einem ungewöhnlichen Jobangebot, das zwei Charaktere förmlich von einem Tag zum nächsten auf engstem Raum zusammenbringt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist auf einer Seite Riley, der zwar angeblich alles versucht, um sein Leben auf die Reihe zu kriegen, mir aber durch sein egoistisches Verhalten schon von den ersten Seiten an nicht sonderlich sympathisch war. Und dann ist da Nathanyel, dessen Leben durch eine Krankheit bestimmt wird, die ihn förmlich rund um die Uhr beschäftigt, weil er gar nicht anders kann.

Ihm gilt im Buch meine ganze Sympathie, denn Riley ist dermaßen dickfällig und (zumindest ist das mein persönlicher Eindruck) auch nicht sonderlich helle, sodass er entweder nicht in der Lage ist, die richtigen Schlüsse im Umgang mit Nathanyel zu ziehen, oder es ist ihm schlichtweg egal. Möglich erscheint mir beides, denn im Laufe der Geschichte, habe ich anfangen, die Szenen zu überblättern, weil ich ihn und sein einfältiges Gebaren einfach nicht mehr ertragen habe.

Die Geschichte wird lang und ausschweifend erzählt und wer sich nur ein bisschen mit psychologischen Themen beschäftigt/auskennt, der wird vermutlich recht schnell begreifen, dass Nathan nicht einfach wunderlich ist, sondern krank, aber das scheint Riley nicht mal ansatzweise in seinen Kopf zu kommen. Bei ihm dreht sich die meiste Zeit alles nur um sich und das hat mich mit der Zeit immer öfter die Augen verdrehen lassen. Dazu kommt der allgemein düstere, deprimierende und durch Nathanyels gehobene Ausdrucksweise teils übertrieben wirkende Erzählstil, der zwar keineswegs schlecht ist, ganz im Gegenteil, aber wie schon gesagt, mir wurde die Masse davon während des Lesens einfach zu viel.

Das Buch hat im A5 Format 600 Seiten und bei mir war recht schnell der Punkt erreicht, wo ich nicht mehr wollte und konnte. Daher habe ich vorgeblättert, weil ich zumindest wissen wollte, wie es mit den beiden ausgeht. Ich gestehe, ich war nicht sonderlich überrascht. Nicht bei dieser Familie. Das Ende gefällt mir absolut nicht, weil ich Happy Ends bevorzuge, aber dafür kann ja das Buch nichts, und da ich eben, aufgrund der Geschichte selbst, ohnehin damit gerechnet habe, saß ich während des Lesens nur da und dachte mir: »Das musste ja so kommen.« Ich war im ersten Moment sogar froh, dass es für Nathanyel endlich vorbei ist. Und so will ich ein gutes Buch nicht abschließen, ehrlich nicht.

Ich werde jetzt nicht weiter spoilern, weil die Geschichte von mir allein für ihren Erzählstil, die vielen Beschreibungen und vor allem wegen Nathanyel (der ein wirklich toller Charakter ist, gerade weil er so schwierig ist) und seiner ganzen Art mehrere Pluspunkte erhält.

Die anfangs geplanten 3* und eine Leseempfehlung streiche ich allerdings wieder, denn mittlerweile habe ich im letzten Drittel des Buches zwei Vergewaltigungen entdeckt, mit denen in einer Art und Weise umgegangen wird, bei denen sich mir sämtliche Nackenhaare sträuben. Das ist ein Thema, da kenne ich kein Pardon, darum vergebe ich dafür nicht mehr als den 1 obligatorischen Stern.

Ein ganz lieber Dank geht an Jayden V. Reeves für das Überlassen eines Rezensionsexemplar.



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Kommentare:

  1. Oh je, ein Buch hat es bei mir schon schwer, wenn einer der Hauptcharaktere egoistisch und ignorant ist und davon im Laufe des Buches auch nicht abrückt, weil er eben nichts dazu gelernt und sein Verhalten auch nicht als falsch erkannt hat.
    Was Du über die Vergewaltigungen schreibst, lässt mich vermuten, dass sie eben nicht als Verbrechen verdammt, geächtet und betraft wurden, sondern verharmlost oder gar als gerechtfertigt hingestellt - und sowas geht für mich auch gar nicht!
    Das sind zwei große Negativpunkte für meine persönliche Bücherauswahl und damit ist dieses Buch schon vom meiner Liste gekickt.

    Mich hätte es zwar schon gereizt, wegen des Erzählstils und des zweiten Protagonisten Nathaniel doch mal in das Buch zu lesen, aber nein, die Kritikpunkte wiegen für mich zu schwer, als dass sie durch die positiven Aspekte ausgeglichen werden könnten. Und dann gibt's noch nicht mal ein Happy End?

    Danke, dass Du uns dieses Buch vorgestellt hast. Bei mir wird's dabei bleiben, dass ich Deine Rezension gelesen habe und mir das Buch spare.

    LG Gabi

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    1. Ich habe es wirklich versucht, aber Riley konnte bei mir einfach nicht punkten. Und als er dann am Ende ... ich spare hier die Details mal aus, aber da war bei mir der Ofen endgültig dicht.

      Mein erster Gedanke letzte Nacht nach dem Zuklappen des Buchs war: "Die zwei haben sich wirklich verdient." - nur leider war das nicht positiv gemeint, dazu hat mich das Buch zu sehr runtergezogen.

      Was im Grunde nicht mal schlecht ist, denn es ist und bleibt toll geschrieben, aber der Inhalt ... Nee, im Ganzen überwiegt für leider das Negative, das konnte Nathanyel allein einfach nicht retten.

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  2. Hi! Bin noch unschlüssig, was das Lesen dieses Buches betrifft und klicke mich deswegen via Google durch die verschiedenen Meinungen. :)

    Aber hmmm, ist der eine "obligatorische" Stern (der ja bei Dir "geht gar nicht" besagt) nicht etwas hart, wenn du andererseits schreibst:
    "Ich werde jetzt nicht weiter spoilern, weil die Geschichte von mir allein für ihren Erzählstil, die vielen Beschreibungen und vor allem wegen Nathanyel (der ein wirklich toller Charakter ist, gerade weil er so schwierig ist) und seiner ganzen Art mehrere Pluspunkte erhält."
    Ist mir nur so aufgefallen ;)

    Vergewaltigungen sind natürlich echt heavy - andererseits kann man in einem Roman nicht immer davon ausgehen, dass sich alle Menschen korrekt verhalten. So ist es ja nun einmal nicht im wirklichen Leben, so sehr wir uns das auch wünschen. Mich wundert es nur, dass die anderen Leser dieses Buches diesen wie ich finde doch sehr erwähnenswerten Teil des Buches gar nicht erwähnen, sondern eher auf ganz andere Dinge eingehen, die mich andererseits wieder sehr neugierig machen.

    Ich habe gelesen, dass es einen zweiten Teil geben soll. Vielleicht kommen wir ja dann zu unserem Happy End. :) Vielleicht sollte ich so lange warten.

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Hi Katinka, ich schreibe immer aus dem Bauch heraus und daher kann es durchaus sein, dass ich gewisse Dinge im Buch super finde (wie in dem Fall der Stil und Nathanyel), andere hingegen einfach nur schlimm, wie die besagten Vergewaltigungen. Ich kann nicht beurteilen, wie andere Leser zu solchen Szenen stehen, aber wenn jemand seinen Freund vergewaltigt und sich hinterher dafür entschuldigt, ist das in meinen Augen nicht weniger eine Verwaltigung. Der Umgang damit stieß mir schlichtweg sehr sauer auf, weil es eben nicht nur einmal passiert. Doch es wird im Grunde abgetan, als wäre es nichts, und damit kann ich einfach nicht. So etwas wertet ein Buch für mich persönlich ganz extrem herab.

      Nachtrag: Nicht wundern, Katinka, ich habe den Spoiler auf Wunsch des Autors entfernt.

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  3. Oh, das ist aber ein böser Spoiler. :(

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    1. Darum die Spoilerwarnung. :-)

      Hätte ich vorher gewusst, dass derartige Szenen in dem Buch beschrieben werden und es nicht mal ein Happy End gibt, hätte ich es als Rezi-Exemplar nicht angenommen und auch sonst nie gelesen.

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